KREIS 4 - eine Recherche

KREIS 4 - eine Recherche

Fakten und Zahlen:

  • Der Kreis trägt den Spitznamen "Chreis Cheib"
  • Man unterteilt den Kreis in drei Quartiere: Langstrasse, Werd und Hard
  • Abgerundete 29000 Personen wohnen im Kreis 4; etwa 7% der Stadtbevölkerung
  • Mit 2.9 km Fläche ist der Kreis 4 einer der kleineren Zürcher Stadtkreise
frühgeschichtliche Entwicklung:

Die ersten Bebauungen gehen bis in 3-4 Jahrhundert zurück. In der Nähe vom heutigem Letzigrund wurden die Überreste einer römischen Villa und einer römischen Strasse gefunden. Im Frühmittelalter befand sich auf der heutigen Bäckeranlage ein Friedhof.

Im 8. Jahrhundert wurde das Shilfeld vom ostfränkischem König Ludwig dem Deutschen ans Fraumünsterabtei geschenkt.

Im 14/15. Jahrhundert entstand das Dorf Wiedikon, dem auch grosse Gebiete vom Kreis 4 angehörten. Am 23. Juli 1443 wurde der Kreis 4 zum Schauplatz der Schlacht bei St. Jakob an der Shil. In dieser kämpften die Zürcher mit den Habsburger gegen die Eidgenossen um das Erbe des Grafen von Toggenburg. Die Eidgenossen gewannen die Schlacht, jedoch wurde Zürich von Plünderungen verschont, da angeblich die Frau des Torwärters es rechtzeitig schaffte, die Tore zu schliessen.

spätere Geschichtliche Entwicklung:

Ein mit dem heutigen Kreis 4 zu vergleichendes Quartier entstand erstmals durch Abspaltung von der damaligen Zürcher Aussengemeinde Wiedikon im späten 18. Jahrhundert. Das Quartier "Aussersihl" machte in den kommenden Jahrhunderten noch viele Veränderungen mit. In einer Neuteilung der Kreise der Stadt Zürich wurde der heutige Kreis 4 dann 1913 begründet. Ein Teil des Quartieres wurde zum Kreis 5. Bis zur heute stattfindenden Gentrifizierung und dem wirtschaftlichen Aufschwung war der Kreis 4 in seiner Vergangenheit ein eher armer Teil der Stadt, geprägt vom industriellen Sektor und zudem stark betroffen von Einwanderung und dem Zuzug von Randbevölkerung. Wirtschaftlich bedeutend für den Kreis war neben der Industrie vor allem auch das Rotlicht-Milieu. Dementsprechend wichtig waren und sind noch heute in der politischen Geschichte und Entwicklung des Kreises verschiedene Arbeiterbewegungen sowie die Anliegen der unteren sozialen Schichten der Bevölkerung. Viele Orte des Kreises waren folglich in der Vergangenheit Schauplätze von Demonstrationen und Kundgebungen der Arbeiterschicht. So dient beispielsweise der Helvetiaplatz seit langem und bis heute als Zentrum der 1.Mai Kundgebungen. Zudem entwickelten sich in diesem Umfeld Wohngenossenschaften und die Entstehung politisch einflussreicher Gewerkschaften wurde befeuert. Diese Vergangenheit macht sich im "Chreis Cheib" noch heute in Architektur, Bevölkerungszusammensetzung, Wirtschaft und Politik bemerkbar.

"Chreis Cheib" - Wie kam es zum Spitznamen?

Mit dem Wort "Cheib" ist zumindest im Ursprung nicht die im zeitgemässen Mundart geläufige Bedeutung "Kerl" gemeint. Das Wort bezeichnet in diesem Kontext die Kadaver von toten Tieren. Diese wurden nämlich früher im Kreis 4 neben anderen Abfällen in Graben entsorgt. Zudem trug wohl auch der Umstand, das im Kreis 4 die Hinrichtungen stattfanden zum Spitznamen bei. Später passte dann jedoch auch der Cheib im Sinne des "Kerl" zum Quartier, wodurch sich der Spitzname bis heute gehalten hat.

Recherche in der ZB

(Quelle: Aussersihl bewegt, Hannes Lindenmeyer)


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